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Über Maite Kelly und die Zukunft von Europa

22. November 2011  |  Veröffentlicht in Echolot, Kultur, Wir sind für Sie vor Ort

Joachim Llambi, bekannt als Juror in der RTL-Sendung „Let’s Dance“, traf sich zu einem Interview mit dem
PFALZ-ECHO in Frankfurt an der Börse, wo der 47-Jährige hauptberuflich tätig ist.

-Foto: Anne Burk

Ihre beiden Berufe – zum einen das Tanzen, zum anderen Ihre Tätigkeit an der Börse – stehen in großem Kontrast. Wie passt das für Sie zusammen?
Es passt auf den ersten Blick natürlich überhaupt nicht zusammen. Außer, dass wir hier an der Börse sowie im Tanzsaal auf dem Parkett stehen. Damit ist die Sache eigentlich schon gegessen. Aber bei beiden Dingen muss man sehr professionell vorgehen. Früher, vor zehn bis zwölf Jahren, als wir uns hier an der Börse schreiend gegenüber standen und so die Preise entwickelt haben, da war das auch eine Art Bühne. Es ging zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Darunter waren auch echte Selbstdarsteller, so wie man sie auch bei einer Tanzshow erleben kann.

Hat Ihnen diese Show dann gefehlt? Kamen Sie deswegen in die Jury von Let’s Dance?
Nein, das hat sich eher durch Zufall ergeben. Zu der Zeit war ich Medien-Beauftragter des Deutschen Profitanzsportverbandes Ich war zunächst beratend für die Vorbereitungen der Show tätig. Dafür waren die Verantwortlichen dann auch sehr dankbar und so kam es, dass sie mich fragten, ob ich mir nicht auch vorstellen könnte, in der Jury zu sitzen. Und so bin ich dann wie die Jungfrau ans Kind gekommen.

Gab es auch einmal die Überlegung, den Job an der Börse sein zu lassen, um sich ganz dem Fernsehen zu widmen?
Nein, an diesen Punkt bin ich nie gekommen. Zum einen macht mir die Arbeit an der Börse sehr viel Spaß. Zum anderen ist das Fernsehen ein sehr schnelllebiges Geschäft, man kann da von heute auf morgen ganz oben sein, aber genauso schnell auch wieder unten.

Lassen Sie uns doch mal übers Tanzen reden. In der Generation meiner Eltern hatte der Paartanz eine ganz andere Stellung als heutzutage. Wie sehen Sie, als Profi, diese Entwicklung?
Das ist heute ja immer noch ähnlich. Die Tanzschulen gehen immer noch in die Schulen und werben dort für ihre Kurse. Aber es gibt viel mehr Angebote rund ums Tanzen. Zum Beispiel Videoclip-Dancing, Hip Hop oder Ähnliches. Das sind nette Alternativen. Vielleicht liegt es an der Mentalität der jungen Mädels, die sich mittlerweile einfach nicht mehr so gerne führen lassen, dass sie eher auf solche Angebote eingehen? Ich gebe Ihnen Recht, auch die Zahlen bei den Turnieren – Standard und Latein – gehen etwas zurück. Auf der anderen Seite habe ich aber auch beobachtet, dass viele junge Menschen, gerade wenn sie am Anfang ihres Berufslebens stehen, feststellen, dass ein paar Grundkenntnisse nicht schlecht sind. Denn bei gesellschaftlichen Anlässen sieht man mit Videoclip-Dancing eher ein bisschen blöd aus. Es lohnt sich und es tut ja keinem weh!

Welchen prominenten Kandidaten hätten Sie denn gerne mal in der Show?
Das ist eine gute Frage! Eigentlich wünscht man sich natürlich Namen wie Boris Becker, Steffi Graf oder Franz Beckenbauer. Aber ob die letztendlich für die Show das bringen, was Maite Kelly oder Sophia Thomalla gebracht haben, ist fraglich. Große Namen allein sorgen noch nicht für gute Quoten.

Soll es denn nicht ums Tanzen gehen?
Ja, ich gebe Ihnen Recht, das ist ja auch meine Maxime. Aber aus Sendersicht muss man auch das Gesamtkonzept sehen. Und da ist zwar das Tanzen der zentrale Punkt, aber alles was „drumherum“ passiert gehört genauso dazu – und wenn es die falsche Oma von Liliana Matthäus ist. Davon hängt der Erfolg der Sendung ab. Maite Kelly ist da das Paradebeispiel. Mit ihr konnten sich alle Frauen identifizieren, die selbst Kleidergröße 40 bis 44 tragen.

Jetzt mal ungeachtet von Let’s Dance allein, fällt mir auf, dass bei Tanzturnieren die Tänzer immer sehr stark und unnatürlich geschminkt sind. Ist das ein Muss?
Die Top-Paare der Weltspitze machen teilweise weniger als die, die erst dahinter kommen. Oft ist das ein Weg, tänzerische Mängel zu kaschieren. Das ist der eine Punkt. Der andere ist der, dass im Fernsehen oder auf einer Bühne meist sehr unvorteilhaftes Licht herrscht. Tanzen verkauft Illusion – von Freude, Schönheit oder auch Sex – da muss es auch äußerlich perfekt wirken. Natürlich sehe ich lieber eine junge, schlanke, hübsche Frau tanzen, als eine, die zwar noch fünf Jahre jünger ist, aber aussieht wie Schlunzi.

Geht dabei nicht der sportliche Teil etwas verloren?
Der Amateurverband bezeichnet Tanzen als Sport. Der gehört auch als Spitzenverband dem Deutschen Olympischen Sportbund an, wo gewisse Vorgaben durch die Athleten erfüllt werden müssen. Die Tänzer wehren sich aber gegen diese Sichtweise. Selbstverständlich hat das Tanzen einen sportlichen Aspekt, aber genauso einen künstlerischen. Tanzen hat einen großen Unterhaltungswert, was man zum Beispiel über einen 100-Meter-Sprint nicht unbedingt sagen kann.

Spielt die Show selbst denn auch in die Wertung mit ein?
In erster Linie setzen sich die Bewertungskriterien aus Punkten wie Technik, Takt oder Körperhaltung zusammen. Ergibt sich die Situation, dass gleich mehrere Paare so gleichauf sind, wird dann die persönliche Note eines jeden Paares mit in Wertung aufgenommen.

Hat sich an der Bewertungslinie in den letzten Jahren etwas geändert?
Überhaupt nicht, nein. Klar haben sich die Tänzer über die Zeit verändert, vor allem im athletischen Bereich. Als ich noch vor 20 Jahren getanzt habe, war alles mehr auf die Musik bezogen. Heute ist das Tanzen schneller und athletischer geworden. Die Klamotten sehen anders aus, die Typen sehen anders aus. Ich habe vor Kurzem ein Bild von mir gefunden: Schwarze Dauerwelle, geschminkt, zehn Kilo weniger, ich sah aus wie Jesus am Kreuz. Aber so war das damals.

-Foto: Daniela Trauthwein

Noch einmal weg vom Tanzen und hin zur Börse. Können Sie als Fachmann eine klare Antwort darauf geben, welche Lösung für den Fall „Griechenland“ die beste wäre?
Ich war schon vor zwei Monaten dafür, die Griechen aus der EU-Zone zu werfen. Heute werden die Stimmen immer lauter, die das fordern. Die Politik hat Angst vor dieser Entscheidung. Italien und Spanien mit größeren Volkswirtschaften als Griechenland könnten dann folgen und weitere Systeme ins wanken bringen – vielleicht nicht unbedingt Deutschland, vielleicht auch nicht Frankreich, aber doch den ein oder anderen Staat in der EU. Dennoch ist der gegenwärtige Kurs ein Herumgeiere. Und manchmal ist eben ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Griechenland ist ein Fass ohne Boden, weshalb nur ein klarer Schnitt uns weiterhelfen kann.

Wie ist denn die Stimmung an der Börse?
In den letzten Wochen ziemlich unruhig. Die DAX-Werte springen innerhalb eines Tages von Höchst- zu Tiefstwerten und umgekehrt. Da muss – auf Deutsch gesagt – nur einer einen Furz lassen und schon geht es hier drunter und drüber. Selbst für die Börsenhändler sind die aktuellen Entwicklungen kaum noch greifbar. Was die Märkte dringend brauchen, ist Beruhigung.

Gelingt es Ihnen auch trotz dieser Situation privat abzuschalten?
Ich konnte das schon von jeher ganz gut. Meine Familie und das Tanzen erleichtern mir das auch noch zusätzlich.

Noch eine abschließende Frage: Inwiefern hat sich Ihr Leben durch Let’s Dance verändert?
Mein Bekanntheitsgrad hat schon zugenommen. Ich werde öfter erkannt und angesprochen. Ich denke, das gehört einfach dazu und stört mich auch nicht weiter. Was mir interessanterweise auffällt, ist der Umstand, dass unter denen, die mich ansprechen auch viele junge Männer sind, obwohl die weniger zu der erwarteten Zielgruppe gehören.  Ich weiß nicht, ob sie die Show schauen, weil Mama sie schaut und es nur einen Fernseher im Haus gibt oder doch, weil sie es selbst interessiert. Aber es freut mich.

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