Das PFALZ-ECHO im Interview mit Sven Plöger
„Die Pfalz ist eine spannende, schöne Region!“
Der Wettermoderator Sven Plöger wurde 2010 zum besten Moderator Deutschlands gewählt. Ende letzen Jahres erschien sein Buch „Gute Aussichten für morgen“ in der vierten Neuauflage. PFALZ-ECHO-Redakteurin Daniela Trauthwein traf Sven Plöger zum Interview und sprach mit ihm über Blitz und Donner, über Unwetter und andere Sphären.
Herr Plöger, Ihre Leidenschaft fürs Wetter ist schon in Kindertagen entflammt. Welche Umstände führten denn dazu?
Sven Plöger: Es muss in der dritten Klasse gewesen sein, als wir im Sachkundeunterricht das Thema Wetter bearbeiten mussten. Wir sollten die Wolken beobachten, Temperatur und Regenmengen messen und das alles auf Millimeterpapier eintragen. Ich war mit solch einem Eifer dabei, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte. Als die Unterrichtsreihe zu Ende war, machte ich für mich weiter. Da haben sich meine Eltern schon gewundert und waren leicht besorgt, denn wenn ein kleines Kind über Millimeterpapier sitzt, kann man da schon ein wenig Bedenken haben (lacht). Ich war also begeistert und immer wenn ein Gewitter aufkam, war ich die ganze Nacht lang auf dem Balkon, um ja keinen Blitz zu verpassen. Ich schätze, diese Faszination für das Wetter ist schon immer in mir drin – falls es dafür ein Gen geben sollte: Ich habe es! Dann gab es aber noch ein 1976 fantastisches Ereignis: Es war ein ganz heißer, trockener Sommer und es gab ein Gewitter, das direkt über unsere Siedlung zog. In unserer Nähe stand ein Stromverteilerhäuschen … da hat der Blitz voll eingeschlagen. Das hat geknallt, so was habe ich noch nie gehört. Dann war die ganze Siedlung dunkel – war das aufregend! Von diesem Moment an habe ich gewusst, ich will irgendwann einmal etwas mit Wetter zu tun haben.
Sie haben den Pilotenschein und den Tauchschein – bewegen sich praktisch in allen Sphären. Was ist denn für Sie das Faszinierende an der Höhe und an der Tiefe?
Sven Plöger: Fliegerei stand genau wie die Meteorologie immer schon ganz früh auf meinem Programm. Schon als Kind wollte ich unbedingt segelfliegen. Nach dem Segelfliegen kam der Motorflugschein und der Gleitschirmflugschein hinterher. Das ist die größte Faszination, wenn man auf dem Berg steht, losläuft und sich einfach so in die Luft erhebt. Ich liebe das. Faszinierend ist, dass ich mich in der dritten Dimension bewegen und das Element, über das ich immer rede, spüren kann.
Ist es im Wasser ähnlich?
Sven Plöger: Ja, das Tauchen ist im Grunde wie fliegen, nur geht es nach unten. Beim Tauchen hat man vollkommene Freiheit: Man kann sich drehen, überschlagen, höher und tiefer tauchen – die absolute Leichtigkeit. Wir vergessen oft im Umgang mit unserer Natur, dass die Erdoberfläche zu etwa zwei Dritteln aus Wasser besteht. Wir blicken immer nur von oben darauf und kennen die Welt darunter kaum, die ja viel größer ist als unsere Überwasserwelt. Es fasziniert und begeistert mich wirklich sehr zu sehen, was da alles so rumschwimmt. Ich kann nicht unbegeistert Dinge tun, ich brauche dieses „Wow“-Gefühl.
Genau das kommt auch bei Ihrer Moderation rüber.
Sven Plöger: Das sagen mir viele Menschen und das ist auch meine Absicht, denn das bin einfach ich. Ich muss nie vor einer Sendung groß nachdenken und mich umstellen. Mich interessiert das Thema und ich habe die Möglichkeit, ein bisschen darüber zu erzählen.
War das vielleicht ein Grund dafür, warum Sie zum besten Wettermoderator Deutschlands gewählt wurden?
Sven Plöger: Die Jury hatte einen Text verfasst, in dem stand, dass ich meine Moderation sehr natürlich und unterhaltsam mache und dass ich gute Informationen liefere. Wenn die Jury das so sagt, will ich der ja nicht einfach so widersprechen (lacht).
Also ich bin ein ausgesprochener Wetterfan …
Sven Plöger: … Sie sind mir sehr sympathisch, zumal wir ja dann mit Ihnen schon mal eine Zuschauerin haben (lacht).
Welcher Arbeitsaufwand ist denn zu bewältigen, bis eine Wettervorhersage entsteht?
Sven Plöger: Das ist schon anstrengend. An einem normalen Arbeitstag, wo ich ganz normales Wetter prognostiziere – als Meteorologe bin ich selbst für meine Prognosen verantwortlich – sind es etwa acht bis zehn Stunden, die ich zusammen mit dem Team leiste.
Warum kommt das Wetter manchmal doch ganz anders, als es prognostiziert wurde?
Sven Plöger: Es gibt Wetterlagen, die sind einfach schwer zu durchschauen. Wenn die Computermodelle alle sehr unterschiedliche Varianten zeigen, dann weiß ich schon: „Aha, die wissen auch nicht so richtig wie es kommen wird“. Aber wir liegen für den Folgetag zu 90 Prozent richtig. Das ist ein recht gutes Ergebnis, auch wenn die falschen zehn Prozent natürlich mehr auffallen.
Gab es auch schon einmal die ein oder andere Panne während einer Sendung?
Sven Plöger: Ja, ja, da gab es schon verschiedene lustige Dinge. Großartig war „von Potsdam bis Kotzbus“, da musste ich ein bisschen lachen. Bei Rheinland-Pfalz habe ich mal zum Erbeskopf „Erbsenkopf“ gesagt – das war auch schön. Ein bisschen peinlicher war das im Radio bei WDR 2. Sie kennen den gern zitierten „Sonne-Wolken-Mix“? Jetzt tauschen Sie mal die Buchstaben nach hinten …
Sonne-Molken …
Sven Plöger: … Wix – ja, genau. Da sauste mir der Sonne-Molken-Wix raus. Zum Glück war das im Radio, so dass man mein errötetes Gesicht nicht sehen konnte. Mein schlimmster Patzer, wo es mir wirklich kalt die Beine raufjagte, passierte 2005, als ich einen Hurrikan voraussagte, der genau über Mexiko, über die Halbinsel Yukatan hinwegfegen sollte. Das hatte eine gewisse Dramatik, weil natürlich auch viele Urlauber in Gefahr waren. In solch einem Fall will man ja auch einen ernsthaften Bericht machen und möglichst nicht lachen. Ich sagte den Satz: „Der zieht jetzt in Richtung Kankun und … und …“ Als ich „und“ gesagt hatte, habe ich gemerkt, dass ich gar keinen weiteren Ortsnamen mehr im Kopf hatte. Ich habe dann einfach einen Ort erfunden, und sagte: „Kankun und … äh … Playa de la Camera“. Das weiß ich noch wie heute. Ich dachte Playa ist sicher gut. Es hat keiner gemerkt. Es tut mir heute noch leid, aber dadurch ist ja niemand zu Schaden gekommen, da es den Ort nicht gibt. Es entstand eine ungewollte Komik, die bei Warnungen eigentlich tabu ist.
Für Sie ist ja ein Unwetter überaus faszinierend. Wie ist das aber, wenn Menschen in Gefahr sind? Das ist doch für Sie bestimmt ein zwiegespaltenes … Dings – jetzt fällt mir das Wort nicht ein – ein zwiegespaltenes Dings.
Sven Plöger: Ja, das ist eine gute Frage. Genau dieses zwiegespaltene Dings sehe ich auch als problematisch an. Also, ich würde natürlich das Unwetter lieben, dort, wo keine Menschen sind. Das gibt es aber leider selten und insofern muss man das irgendwie trennen. Die Faszination für das Unwetter ist für mich als Meteorologe die Physik, was da so alles bei einem Gewitter geschieht. Die Faszination tritt allerdings in den Hintergrund, wenn Menschen gefährdet sind.
In Katastrophenfilmen müssen die Wetterforscher immer gegen irgendwelche Behörden und gegen die Politik kämpfen. Ist das „in Echt“ auch so?
Sven Plöger: Nein, man kämpft nicht ständig gegen die Politik an. Man hört schon aufeinander. Unwetter finden ja sehr schnell statt und ebenso schnell muss reagiert werden. Ein Wetterforscher kann da viel zügiger agieren als eine Behörde. Die haben ja nicht einfach ein paar tausend Helfer und Fahrzeuge rumstehen. Das muss organisiert werden und kostet auch eine Menge Geld. Der Weg von der Vorhersage zum funktionierenden Katastrophenschutz ist weltweit das eigentliche Problem. Insofern ergeben sich manche Widerstände nicht absichtlich, weil gerade jemand etwas dagegen hat, sondern resultieren aus logistischen Problemen. Sobald viele Menschen miteinander zügig kommunizieren müssen, passieren auch einfach Fehler. Ernste Warnungen werden nicht ohne Grund herausgegeben, denn die Reaktion auf solch eine Warnung kostet richtig Geld.
Sie haben ja ein Buch geschrieben: „Gute Aussichten für morgen“. Was hat Sie dazu bewogen, ein Buch übers Klima zu schreiben?
Sven Plöger: Das Buch ist eine Reaktion auf Zuhörerfragen, die in meinen Vorträgen von 2002 bis 2010 gestellt wurden. Erst kürzlich kam die vierte überarbeitete Auflage heraus, weil ich gemerkt habe, dass das Thema Klimawandel und Energiewende weitergeht – schon alleine wegen Fukushima. Ich habe mich mit dem Thema Klimaveränderungen auseinandergesetzt, weil ich finde, dass das Thema in der Gesellschaft keinen guten Weg nimmt. Es kommen nur die Extrempositionen durch und genau die sind fast immer unsinnig, weil eben nicht differenziert. Aber so ein komplexes Thema bedarf der Differenzierung. In der öffentlichen Diskussion gibt es beim Klimawandel immer zwei Extrempositionen: die Apokalyptiker und die Skeptiker. Zwei Extrempositionen wie es sie in der Wissenschaft eigentlich so nicht gibt. Ich versuche zu zeigen, dass es mehr gibt und möchte das unterhaltend und mit Spannung beleuchten und das Thema für Jedermann verständlich machen.
Was können Sie über das Pfälzer Wetter sagen?
Sven Plöger: Ich trinke gerne Pfälzer Wein und insofern habe ich auch eine Beziehung zur Südpfalz. Diese Region ist aber auch wettermäßig spannend. Wenn Sie von der Rheinebene in Richtung Pfälzer Wald in die Höhenlagen fahren, können Sie ja fast Klimazonen durchfahren. Vor allem im Herbst sind wir Prognostiker damit beschäftigt festzustellen, wo denn jetzt der Nebel ist. Ist er im Rheintal oder ist er nicht da, und wenn er da ist, wie hoch reicht er denn? Insgesamt ist die Region orthografisch spannend gegliedert. Die Pfalz bietet beispielsweise schöne Täler, in denen klassische Kaltluftseen entstehen. Fährt man da in den Nacht- und Morgenstunden hügelaufwärts kommt man in die Wärmezone und abwärts in die Kältezone. Ich mag diese spannende und schöne Region.
Vielen Dank für das Gespräch!
