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Pfalz-Echo 08/2012

Die neue Ausgabe ist online, dieses Mal unter anderem mit diesen Themen:

Debatte im PFALZ-ECHO: Leserbriefe zur Geothermie > Seite 5

Unter vier Augen: Interview mit Wieland Backes > Seite 3

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Geothermie in der Region – Chancen oder Risiken?

Die Debatte im PFALZ-ECHO

Von Janina Beuscher

Geothermie als alternative Energieform sorgt in der Region für Diskussionsstoff. Auf lange Sicht müssen andere Versorgungsmöglichkeiten Erdöl, Gas und Kohle ablösen. Durch die besondere Lage der Südpfalz bietet sich die Nutzung der Erdwärme an, die durch Bohrungen angezapft und nutzbar gemacht werden kann. Dies passiert mithilfe von Geothermie-Kraftwerken, wie eines gerade bei Insheim gebaut wird. Im Spätsommer 2012 soll es in Betrieb genommen werden.

Fundament

Das Fundament für die Geothermieanlage in Insheim ist gelegt. -Foto: jab

Das Geothermie-Kraftwerk in Landau läuft bereits seit 2007 und wird zu 50 Prozent von der EnergieSüdwest AG und der Pfalzwerke AG betrieben. EnergieSüdwest überlegt derzeit, aus dem Projekt auszusteigen und will sich Ende März dazu äußern.

Spätestens seit 2009, als es zu Erdbeben in der Region kam, wurde die Kritik an der Geothermie lauter. Mehrere Bürgerinitiativen haben sich gebildet und in einem aktuell laufenden Mediationsverfahren soll ein gemeinsamer Kontext zwischen Gegnern und Befürworter gefunden werden. Dennoch bleibt die Frage offen: Ist die Geothermie eine zukunftsweisende oder eine nicht zu beherrschende Technologie?

„Die Entwicklungen gehen weiter“

„Die Forschung in Sachen Geothermie ist längst nicht am Ende“, so Dr. Frank Schilling. -Foto: jab

Dr. Frank Schilling, Professor am Institut für Angewandte Geowissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) erklärt, dass die Forschung in Sachen Geothermie noch längst nicht am Ende sei. „Wir können die Geothermie heute schon nutzen“, so der Wissenschaftler, „aber die Entwicklungen gehen natürlich immer weiter“. In der Landauer Region könne die Wärme in den tiefen Bodenschichten gut genutzt werden, da dort pro 100 Meter die Temperatur um fünf Grad Celsius steigt, üblich ist eine Zunahme von 3 °C/100 m. Dennoch müssen Erdbeben mit allen möglichen Mitteln verhindert werden, z.B.durchsogenannte„Side-Tracks“. Bei dieser Technik wird ein zweites Bohrloch aus dem ursprünglichen abgelenkt gebohrt, wodurch die Erdbeben-Gefahr sinkt. Dennoch sei jeder Eingriff in die Natur auch mit einem Risiko verbunden.

„Man sollte aber nie vergessen, den Risiken die Chancen gegenüber zu stellen“, meint Schilling. Geothermie sei ein Baustein, um die Versorgungssicherheit in der Region voran zu treiben. Es gäbe immer mehrere Möglichkeiten, die individuell abgeschätzt und abgewogen werden müssten.

„Geothermie ist ein innovativer Schritt in die richtige Richtung“

„Die Geothermie ist keine Risikotechnologie“, sagt Hans-Joachim Kreisel. -Foto: jab

Ein Befürworter dieser Technologie ist Hans-Joachim Kreisel, 1. Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Geothermie Landau. Im September 2011 gründete sich die Bürgerinitiative Pro Geothermie mit dem Ziel, die Geothermie verständlicher zu machen und sich konstruktiv mit der neuen Technologie auseinander zu setzten. Kreisel hält die Geothermiekraftwerke der Region für einen innovativen Schritt in die richtige Richtung: „In Insheim entsteht eine Anlage der zweiten Generation. Durch eine spezielle Technik wird das Erdbeben-Risiko verringert“.

Auch das Landauer GeothermieProjekt sei ein Pilotprojekt, aber dennoch technisch verbesserbar. „Das Ziel muss es sein, die Anlage zu betreiben, ohne dass jemand belästigt wird. Wir gehen davon aus, dass bei dem Wiedereintritt des abgekühlten Tiefenwassers seismische Ereignisse im Untergrund ausgelöst wurden, die mit einer dritten Entlastungsbohrung verhindert werden können“, meint Kreisel. Durch eine solche Bohrung, die zwischen sechs und acht Millionen Euro kostet, werde das Wasser im Untergrund besser verteilt und die Anlage sicher und wirtschaftlicher betrieben werden können. Um die Finanzierung für eine Entlastungsbohrung zu sichern, führe die Initiative bereits Gespräche über ein Gemeinschaftsprojekt. „Pro Geothermie“ versteht sich dabei als kritischer Partner, der die Erkenntnisse für die Bürger verständlicher machen will.

„Die mangelnde Transparenz gibt Anlass zur Sorge“

„So schaffen wir die Energiewende nicht“, meint Walter Ecker. -Foto: jab

Ganz anderer Meinung ist dagegen Walter Ecker, 1. Vorsitzender der Bürgerinitiative Geothermie Steinweiler (BIGS), die der Geothermie-Nutzung in der Region kritisch gegenüber steht. Die Initiative besteht aus rund 130 Mitgliedern, die sich ursprünglich zusammen getan haben, um ein Geothermie-Kraftwerk bei Steinweiler zu verhindern. Die Gefahren der Geothermie sieht BIGS in den Erdbeben, die z. B. die Region um Landau erschüttert haben.

„Es ist immer noch nicht geklärt, wer für die entstandenen Schäden an den Häusern aufkommt“, klagt Ecker. Bereits die Probebohrungen für das Geothermiekraftwerk in Insheim hätten ausgereicht, um Erdbeben in der Region auszulösen. Damit verbunden ist auch die Befürchtung einer Wertminderung von Immobilien in der Nähe eines Kraftwerks. Aber auch eine Lärmbelästigung sowie Gefahren für die Umwelt befürchten die BIGS-Mitglieder. Landau sein ein Beispiel für die Probleme der Geothermienutzung.

„Die mangelnde Transparenz in der ganzen Sache ist für uns Anlass zur Sorge“, so Ecker. Er verstehe das Festhalten der Politik an der Geothermie nicht, da zu viele Fragen unbeantwortet seien und offensichtliche Gefahren bestünden.

Zu Probebohrungen in Steinweiler ist es bisher nicht gekommen. Die Bürgerinitiative will vor rechtlichen Schritten nicht zurück schrecken, wenn das Kraftwerk doch noch gebaut werden sollte.

 

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